HINTERLAND
Potenziale für die räumliche Entwicklung unter
Schrumpfungsbedingungen
Für das Gebiet der Baltic Sea Region sind Ballungsgebiete in den Küstenzonen mit jeweils zugeordneten Hinterlandbereichen in
einem Abstand von 50 km und mehr zu den Küstenzonen und zu und größeren Städten charakteristisch. Die meisten dieser
Hinterlandbereiche leiden an einem langfristigen Rückgang der Bevölkerung, wie er seit Hunderten von Jahren in Europa nicht
mehr vorgekommen ist. Rückläufige Beschäftigung in der Landwirtschaft und die geringere Konkurrenzfähigkeit kleiner und
mittelständischer Betriebe sowie die wachsende Mobilität bewirken eine zunehmende Abwanderung aus den Hinterländern. Eine
weniger mobile, überalterte Bevölkerung, geringe soziale und wirtschaftliche Aktivitäten und ein Verfall der Infrastrukturen
und Häuser ist die Folge. Kommen verschiedene Schrumpfungsprozesse zusammenm, droht eine sich beschleunigende Abwärtsspirale
mit dem Entstehen von devastierten Gebieten, dem Verlust an Zentralität in den Landstädten und letztlich einer sinkenden
Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit der ganzen Region.
Das HINTERLAND-Projekt hat zum Ziel, den Prozess des Rückgangs in den Hinterlandregionen durch moderne, innovative räumliche
Entwicklungsansätze zu begleiten. Die Schrumpfung muss auch da organisiert werden, wo wenige oder gar keine Potentiale
vorhanden sind, vor allem aber soll ein stärkeres Bewusstseins des Rückgangs an sich und seines langfristigen Charakters
erreicht werden. Potentiale mit stabilisierender Wirkungen oder sogar Chancen für ein geringes Wachstum müssen
aufgespürt und genutzt werden. Am wirksamsten geschieht dies durch Brücken zu den benachbarten "Vorderland"-Regionen
oder auch durch weiträumigere Kooperation.
Mit dem Zugewinn an Kenntnissen über die verschiedenen Aspekten der Schrumpfung werden die Projektpartner mit
wissenschaftlicher Unterstützung in der Lage sein, lokal und regional vorausschauende Strategien für die zukünftige
Siedlungsstruktur, die Stadt-Umland-Beziehungen, für Verkehr und Infrastruktur aber auch die Landschaftsgestaltung und die
Landwirtschaft entwickeln zu können und diese in Pilot-Aktivitäten umzusetzen.
Durch das internationale Hinterland-Netzwerk werden diese Prozesse in enger Verknüpfung mit den europäischen Zielen und
Strategien für die Baltic Sea Region begleitet. Darüber hinaus wird auch ein interregionales Konzept geschaffen, das die
Fassetten der Schrumpfung in den Besonderheiten der verschiedenen Partner herausstellt.
Das HINTERLAND-Projekt umfasst Regionen, die von einem Rückgang der Bevölkerung sowohl im beginnenden als auch
fortgeschrittenen Stadium betroffen sind. Der Umfang des Rückgangs der Einwohnerzahl in den letzten 3-5 Jahren liegt zwischen
2% und 7%. Die Prognosen für die nächsten 15 Jahre lassen zwischen 5% und 43% zusätzlichen Rückgang erwarten.
Neben den lokalen und regionalen Partnern wird Hinterland auch durch Experten aus Universitäten, Planungs- und
Entwicklungsgesellschaften sowie "Vorderland"-Partner unterstützt. Partnerschaften zwischen örtlichen Behörden
- regionalen Koordinatoren und Fachexperten bilden so starke horizontale und vertikale Kooperation in der räumlichen
Planung und Entwicklung. Darüber hinaus werden in den mehr als 100 Dörfern, die im gesamten BSR-Raum am Projekt
beteiligt sind, Pilot-Projekte ausgeführt.
